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Schaltgerät 60

Technische Daten

Hersteller VEB Starkstromanlagenbau Berlin, VEB Elektroanlagenbau Neustrelitz
Herstellerjahre um 1970
Nennspannung 220V / 380V
Schaltleistung AC3 5 kW
Gewicht 15 kg
Werkstoff Eisen

Beschreibung

Das Schaltgerät 60 ist ein kompakter Schützkasten für die Schaltung von Sirenen bis 5kW Motorleistung. Bis jetzt sind 2 Hersteller bekannt, zum einem der VEB Starkstrom-Anlagenbau Berlin und der VEB Elektro-Anlagenbau Neustrelitz. Inwieweit beide Betriebe das Gerät parallel produziert haben ist nicht bekannt, denkbar ist nach Analyse der Typenschilder eine Produktionsverlagerung in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von Berlin nach Neustrelitz.

Es ist ein Metallkasten mit den Maßen (HxBxT) 500x250x190(205)mm (mit Tür) und einem Gewicht von 15kg. Lackiert ist er original in einem Hammerschlaggrünton. Oben befinden sich 2 Einführungen für das Netz- und das Sirenenkabel, unten 2 kleinere Einführungen für ein Telefon- und ein Melderkabel. Die Tür ist links mit 2 Scharnieren am Grundkasten befestigt, auf der rechten Seite befinden sich oben und unten 2 Schrauben M6 zum Verschließen. Diese besitzen Bohrungen im Kopf und die Tür eingestanzte Ösen zur Aufnahme von Plombendraht zwecks Sicherung gegen unbefugte Benutzung. Öffnen wir die Tür sehen wir auf der Innenseite zunächst den Schaltplan und darunter ein U-förmiges Blechteil in Höhe des Hauptschalters. Dieses soll ein versehentliches Schließen der Tür bei ausgeschaltetem Schalter verhindern. Schauen wir weiter nach rechts sehen wir knapp unter der Mitte die 3 Schmelzsicherungen für den Sirenenmotor, 15(?)A bei 380V, 25A bei 220V. Darunter v.l.n.r. die mit 220V betriebene Meldeleuchte „Hauptschütz-Sirenenmotor ein“, die 1A-Sicherung für die Steuerleitung Phase „R“ (L1), dann die Sicherung (ebenfalls 1A) Steuerleitung „T“ (L3, nur im 220V-Drehstrombetrieb relevant, später mehr), den Testknopf und daneben flach schwarz und unscheinbar die Prüfsteckdose für die Telefonleitung. Wiederum eine Etage tiefer sitzt der Hauptschalter. Nach Abnahme der Plastikabdeckung sehen wir zunächst Kabel satt. Ist aber nicht wirklich schlimm, fangen wir einfach bei der oberen Klemmleiste an. V.l.n.r.:

R (oder 1) Netzeingang von L1 S (oder 2) Netzeingang von L2 T (oder 3) Netzeingang von L3 U (oder 4) Ausgang zum Sirenenmotor L1 V (oder 5) Ausgang zum Sirenenmotor L2 W (oder 6) Ausgang zum Sirenenmotor L3 7 Steuerleitung über Sicherung „T“ 8 Hauptschützausgang 9-12 Anschlußmöglichkeiten für „PE“ von Sirene, Melder und Kasten

Darunter sieht man mittig das Schütz, wieder etwas tiefer die bekannten Sicherungen, Meldeleuchte und Testknopf. Unter der Meldeleuchte ist das „Flachrelais 48“, das so genannte Postrelais für 60V=, wieder darunter die freien Klemmen 17-20 für ein 2. Hilfsrelais. Rechts daneben den Hauptschalter, die Klemmen 13+14 für den Melder- und die Klemmen 15+16 für den Telefonanschluß.

Von den Eingangsklemmen fließt der Strom über die 3 Hauptsicherungen zunächst Richtung Hauptschalter. Weiter geht es dann zum Hauptschütz und danach an die Ausgangsklemmen zum Sirenenmotor. Die Steuerspannung wird vor dem Hauptschalter von den Leitern „R“ (L1) und „T“ (L3) abgegriffen. In der Steuerleitung „R“ sind der Testknopf, das Postrelais und die Klemmen 13+14 parallel geschaltet. Sie führt weiter zum Steuerspannungseingang des Schützes. Der Ausgang geht zur Klemme 8. Hier wird im 380V-Betrieb „N“ angelegt, kann lt. Schaltbild nach damaligem Stand der Technik mit den Klemmen 9-12 „PE“ zusammengeschaltet werden. Hab ich aber bei meinem betriebsfähigen Kasten anders gelöst. Im 220V-Drehstrombetrieb wird die Brücke von 8 nach 9 entfernt und dafür eine Brücke zur Klemme 7 gesetzt. Jetzt bekommt das Schütz über die Sicherung „T“ eine 2. Phase und damit seine 220V Betriebsspannung. In der Telefonleitung (Klemme 15+16) ist noch eine Prüfsteckdose integriert. In Diese kann ein spezieller Prüfstecker gesteckt werden. Er bewirkt eine Trennung des Postrelais von der Telefonleitung und ist dabei selbst mit dieser verbunden um deren Funktion zu überprüfen. Diese Stecker sind anscheinend „Goldstaub“, ich habe jedenfalls noch nie einen gesehen und kann deshalb zur genauen Funktion keine Aussage treffen.

Text von HaumeiFranzP

Bilder Schaltgerät 60 VEB Berlin

Bilder Schaltgerät 60 VEB Neustrelitz